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Die Summe des
 
Überschaubaren Kleinen
 ist größer und menschlicher als das
Große Ganze.

Zurück in die Zukunft! - Schluß mit dem Größenwahn!

Jeder Mensch ist ein Unikat - sein Leben lang! Daraus folgt grundlegend, dass die Gesellschaft der Menschen unendlich vielfältig ist.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland beginnt daher mit dem schönen Satz: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt." Vielen ideologischen und politischen Einheitsbestrebungen stehe ich daher grundsätzlich skeptisch gegenüber und bin insbesondere politisch ein großer Anhänger einer weitgehenden Dezentralisierung und des Föderalismus anstelle einer übersteigerten Hierarchisierung und Zentralisierung.

  • Kleinere politische Einheiten haben auch kleinere wirtschaftliche, politische und militärische Macht.
  • Die Größenordnung von Staaten muss auf den Umfang der heutigen Nationalstaaten begrenzt werden. Die großen Machtblöcke wie USA, Russland und China müssen aufgelöst und in ihre regionalen Untergliederungen wie Bundesstaaten (USA), Föderationskreise (Russland) und Nationalitäten (China) überführt werden.
  • Auch politische ■ Bündnisse wie z.B. Europäische Union (EU), NATO oder Vereinte Nationen (UN) sind nicht mehr erforderlich, da die Macht von kleineren Einheiten erheblich begrenzt ist und damit keine großen Umweltschäden oder "Weltkriege" entstehen können.
  • Großindustrielle Umweltverschmutzung durch umweltschädliche Monsterkraftwerke sowie massenhafter umweltschädlicher Verkehr durch Flugzeuge, Containerschiffe, LKW sowie eine weit überzogene Automobilproduktion ist in kleineren Verhältnissen nicht mehr möglich und auch nicht nötig.
  • Die Vermögensverteilung in der Bevölkerung kann keine allmächtigen ■ Milliardäre & Multimillionäre mehr hervorbringen und wird damit gerechter. Dem tödlichen Kapitalismus wird die "Luft zum Atmen" abgeschnitten
  • Die Medienwelt reduziert sich ebenfalls drastisch, da weltumspannende Informationssysteme wie Fernsehen und Internet aufgrund nicht mehr finanzierbarer ■ Raumfahrt und Satellitentechnik für kleinere Einheiten nicht mehr finanzierbar sind.
  • Dem völlig aus dem Ruder gelaufenen und turbokapitalistischen Profisport wird ebenfalls die "Luft zum Atmen" abgeschnitten. Monsterevents wie Olympische Spiele sowie Welt- und Kontinentalmeisterschaften können nicht mehr finanziert werden und gehören endlich der Vergangenheit an. Selbst der regionale Profisport hat keine Chance mehr und muss sich zwangsläufig auf den gesunden Amateursport zurückziehen.
  • Die Identifikation der Menschen mit den überschaubaren Eigenheiten (Kultur) und Regelungen ist in kleineren unabhängigen Einheiten wesentlich größer als in großen zentralistischen Machtblöcken. Umgekehrt wächst das Interesse und die Begegnung mit benachbarten Kulturen wesentlich stärker und menschlicher als im "Einheitsbrei" eines Monstergefüges. 

Kevin Kelly

Das Ende der Kontrolle

Die biologische Wende in Wirtschaft, Technik und Gesellschaft

In meinen ■ Standpunkten klingt immer wieder an, dass für mich die Welt in vielen Dingen "aus allen Fugen geraten ist". Das mag auch vielen Menschen so gehen. Insbesondere die technologische Entwicklung (Fernsehen, Computer, Internet, Künstliche Intelligenz) und die damit einhergehende Globalisierung der Wirtschaft und des gesamten Lebens haben der Menschheit nicht nur Segnungen, sondern auch vielfache "Flüche" und Missbildungen beschert.

Ist das alles noch zum Nutzen des Menschen oder sind viele Dinge schon völlig außer Kontrolle geraten?

Der amerikanische Autor Kevin Kelly hat sich in seinem Bestsellerwerk "Out of Control" (Das Ende der Kontrolle) dieser Problematik gesamtheitlich angenommen. Insbesondere stellt er Forschungsergebnisse und Beobachtungen in Zusammenhang mit der gesamten Natur (Biologie), inkl. des Menschen. Seine überwiegend biologische Reise beginnt bei Beobachtungen der Natur und endet im heutigen und künftigen Computernetzwerk. Entsprechend ändern sich die Verhältnisse hinsichtlich der Beherrschbarkeit.

Sein Werk dreht sich ständig um die beiden Pole:

Das Individuum mit seinem Bedürfnis nach freier Entwicklung.
Die Gemeinschaft mit ihrem Bedürfnis nach Einheit und Regulierung.


Herausgabedatum 1972 !!!
vor über 50 Jahren

Leben wir auch noch in
 weiteren 50 Jahren ???

Inhalt

  1. Das Gemachte und das Geborene
  2. Schwarmdenken
  3. Maschinen und Charakter
  4. Der Aufbau der Komplexität
  5. Koevolution
  6. Der Fluß des Lebens
  7. Geschlossene Systeme
  8. Die Biosphäre legt los
  9. Industrielle Ökologie
  10. Netzwerkökologie
  11. Elektronisches Geld
  12. Gott-Spiele
  13. Die Bibliothek der Formen
  14. Künstliche Evolution
  15. Die Zukunft der Kontrolle
  16. Ein offenes Universum
  17. Die Struktur organisierten Wandels
  18. Postdarwinismus
  19. Der Schmetterling schläft
  20. Eine zunehmende Strömung
  21. Die neun Gesetze Gottes

2. Schwarmdenken

Lebende Systeme sind im allgemeinen als "Schwarmsysteme" aufgebaut. Sie nutzen die Vorteile der Emergenz*, die es gestatten, daß ein System qualitativ neue Eigenschaften besitzt, als sie seine Elemente haben, aus denen es sich zusammensetzt. Solche Vivisysteme haben ein verteiltes Dasein, das charakterisiert ist durch folgende Eigenschaften:

  • Das Fehlen einer aufgezwungenen Zentralsteuerung
  • Die autonome Natur der Untereinheiten
  • Die hochgradige Vernetzung der Untereinheiten
  • Die nichtlineare Kausalität der Beeinflussung unter Gleichen

Vorteile von Schwarmsystemen:

  • Anpassungsfähigkeit an vorher nicht bekannte Einflüsse
  • Entwicklungsfähigkeit - Verlagerung der Anpassungsvorgänge auf andere Teile des Systems
  • Unverwüstlichkeit, weil mit paralleler Redundanz aufgebaut
  • Unbegrenztheit positiver Rückkopplungsvorgänge
  • Tendenz zu Neuerungen und ständiger Erneuerung

Nachteile von Schwarmsystemen:

  • Nichtoptimale Effizienz
  • Fehlende Steuerbarkeit
  • Unvorhersagbarkeit
  • Nichtverstehbarkeit vieler Systemzusammenhänge
  • Nur indirekte Beeinflußbarkeit

21. Die neun Gesetze Gottes

Die Natur beherrscht mit der Evolution den Trick, aus nichts etwas zu machen. Die wichtigsten Regeln hierzu sind:

  1. Verteilung der Funktionen auf eine Vielzahl kleinerer Einheiten, das Ganze kann mehr als die Summe der Teile
  2. Steuerung von unten nach oben über ein weitverteiltes Netzwerk
  3. Zunehmende Erträge durch positive Rückkopplung
  4. Züchtung durch Aufbau komplexer Systeme aus einfachen funktionsfähigen Modulen
  5. Verstärkung der Randzonen, sie sorgen für beschleunigte Anpassung und Flexibilität und sind Ausgangspunkte für Innovationen
  6. Abgehen vom gewohnten und systematisches Irrtumsmanagement
  7. Ein komplexes System überlebt nicht durch Optimierung, sondern durch  Vielfalt  
  8. Ein stabiles Gleichgewicht ist nicht besser als eine Explosion. Es  überlebt nur das instabile Gleichgewicht, das ständig wiederhergestellt werden  muss.  
  9. Entwicklung entsteht durch ständige Veränderung der Veränderung und  ständige Veränderung der Veränderungsregeln.

Diese Regeln durchdringen nicht nur die biologische Evolution, sie werden zunehmend auch die technische und gesellschaftliche Entwicklung durchdringen, der Mensch muss sich mit dem dadurch bedingten Verlust an Kontrolle abfinden und lernen, damit umzugehen.

*) die spontane Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente

Wo beginnt "Out of Control" ?

Die multikulturelle Gesellschaft, wie sie bei uns insbesondere von den Grünen und linken Parteien propagiert wird, ist bei Kevin Kelly entsprechend der oben genannten Grunderkenntnisse in einem gemeinsamen Zusammenleben "out of control". Dies ist jedoch keine Ablehnung anderer Kulturen - im Gegenteil - sondern eine Grenze der menschlichen Vernunft, ja sogar eine Chance zur gegenseitigen Befruchtung, jedoch nicht in einer engen Gemeinschaft, sondern im gegenseitigen Besuch und gegenseitiger Akzeptanz unterschiedlicher Kulturen in ihren unterschiedlichen Regionen dieser Welt.

Man muss dazu nur die fast schizophrene Einstellung von Menschen studieren, wenn sie zuhause sind und entsprechende Multikultur in ihrer Heimatumgebung eher ablehnen und wenn sie im Urlaub sind, wo sie gerade die fremde Kultur suchen und dabei bereichernde Elemente schätzen und sogar mit nach Hause nehmen. Es ist eben gerade diese Illusion einer multikulturellen Gesellschaft, welche zu den größten Enttäuschungen bis hin zur feindseligen Ablehnung jeglicher Multikultur im eigenen Bereich führt. Die einfache Vulgo-Version hierzu heißt z.B.: "Der Retsina schmeckt nur in Griechenland, zuhause schmeckt er wie Altöl!" 
Ein Gegentest zur Multikultur lautet daher: "Fühlt sich ein Mensch aus einem anderen Kulturkreis bei uns tatsächlich wohl?" Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht. Dies liegt jedoch weniger an der fremden, reservierten Haltung der Einheimischen, als vielmehr an der fehlenden heimatlichen Umgebung.  

Ich kenne natürlich alle bekannten Gegenargumente hierzu, welche sehr schnell beim Totschlagsstempel "Rassist" nach Nazi-Vorbild enden. Damit lebe ich seit Jahrzehnten und meine Verachtung für derartige primitive Totschläger steigt im selben Maße. Solche, meist grün-linke Kritiker saugen ihre "moralische Kompetenz" hauptsächlich daraus, Multikulti-Kritiker sehr schnell in einen Topf mit Nazi, NPD, PEGIDA und dgl. zu stecken. Ach wie sind wir ethisch, sozusagen die "überlegene moralische Rasse" hört man angesichts dessen aus diesen "Moralaposteln". In Wirklichkeit lehnen sie die wirklich moralischen Instanzen, wie z.B die Religionen dieser Welt ab und bekennen sich daher zum rein egositischen ■ Atheismus.

Out of Control beginnt daher für mich als bayerischen Bürger ausserhalb des christlich-katholischen Glaubens und ausserhalb des südländisch-deutschen Sprachraums (Bayern, Baden-Württemberg, Österreich, Schweiz, Südtirol). Innerhalb dessen bin ich dahoam und andere sollen sich in ihren Regionen ebenfalls dahoam fühlen. Ich besuche sie gerne.

Dass dies alles nicht so trivial ist, sollten sie an meinen weiteren Standpunkten erkennen. Letztendlich hat mich dieses Denken auch zu dem Kapitel ■ Republik Alpen geführt.

Mein Resümee aus Kevin Kelly

  1. Erst wenn Mensch und Tier in ihrer kleinsten  Gemeinschaft, der Familie, Sicherheit und Geborgenheit erfahren haben, sind  sie fähig für den nächsten Gemeinschaftsschritt. Ohne Familien- bzw.  Zugehörigkeitserfahrung sind alle weiteren Entwicklungsschritte  problembehaftet. Im übersetzten Sinn gilt dieses Prinzip für alle Stufen  menschlicher Gemeinschaft, insbesondere auch im Staatswesen.
  2. Jede Vereinigung von natürlichen Lebensformen von Mensch  und Tier zu einer höheren Gemeinschaft (Schwarm) funktioniert  nur, wenn alle Teile der neuen Gemeinschaft sich ähnlich entwickelt  haben und in dem neuen Gebilde ihre höchst mögliche  Authentizität und Gleichberechtigung wahren  können.
  3. Bewusste, stabile Individualität (Selbstbewusstsein und  Selbstliebe) ist kein Hindernis für eine Gemeinschaft sondern ihre  unabdingbare Voraussetzung.
  4. ie höchste geistige Stufe des Menschen liegt in der Erkenntnis seiner  existentiellen Abhängigkeit von der  Gemeinschaft. Parisitäre Individualisten werden schon in der  Tierwelt ihrem eigenen Schicksal überlassen, ausgestoßen und letztlich  getötet. Dieses Prinzip gilt insbesondere für die Parasiten am oberen und  unteren Ende einer Gemeinschaft. 

Viele, in sich stabile, kleine, vielfältige Gemeinschaften sind auch im Sinne des Gesamtwohls beherrschbarer und letztlich sozialer als große Gemeinschaften, welche unkontrollierbar im Chaos enden. Dies ist ein eindeutiges Plädoyer für Dezentralisierung und Föderalismus, welches auch ich als Grundsatz für unsere Gesellschaft sehe.