Über die Deutschen
Der Deutsche fügt sich unter allen zivilisierten Völkern am leichtesten und dauerhaftesten der Regierung unter der er ist, und ist am leichtesten von Neuerungssucht und Widersetzlichkeit gegen die eingeführte Ordnung entfernt. |
Immanuel Kant |
Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen? |
Georg Christoph Lichtenberg |
Die lieben Deutschen kenn' ich schon; erst schweigen sie, dann mäkeln sie, dann beseitigen, dann bestehlen und verschweigen sie. |
Johann Wolfgang von Goethe |
Der Deutsche erlebt keine Zeit so gern als die Bedenkzeit. |
Jean Paul |
Ich kenne die Deutschen: sie wollen wie die Metaphysiker alles von vorn an wissen, recht genau, im Großoktav, ohne übertriebene Kürze und mit eigenen citatis. Sie versehen ein Epigramm mit einer Vorrede und ein Liebesmadrigal mit einem Sachregister . sie bestimmen den Zephir mit einer Windrose - und das Herz eines Mädchens mit einem Kegelschnitt - sie bezeichnen alles mit Fraktur wie Kaufleute, und beweisen alles wie Juristen - ihre Gehirnhäute sind lebendige Rechenhäute, ihre Beine geheime Meßstangen und Schrittzähler - sie zerschneiden den Schleier der neun Musen und setzen auf die Herzen dieser Mädchen Tasterzirkel und in ihre Köpfe Visierstäbe. |
Jean Paul |
Scheltet mir nicht die Deutschen! Wenn sie auch Träumer sind, so haben doch manche unter ihnen so schöne Träume geträumt, daß ich sie kaum vertauschen möchte gegen die wachende Wirklichkeit unserer Nachbarn. Wenn einst, was Gott verhüte, in der ganzen Welt die Freiheit verschwunden ist, so wird ein deutscher Träumer sie in den Träumen wieder entdecken. |
Heinrich Heine |
Wir denken gut und reden schlecht, reden viel und tun wenig, tun manches und vollbringen nichts. Aber unsre Gleichgültigkeit entspringt nicht aus unserer Vorliebe für Worte, sondern umgekehrt, unsere Vorliebe für Worte entspringt der Scheu vor Handlungen. Die keuschen Deutschen wenden ihre Augen weg vor der nackten Tat. |
Ludwig Börne |
Selbst im Fall einer Revolution würden die Deutschen sich nur Steuerfreiheit, nie Gedankenfreiheit zu erkämpfen suchen. |
Friedrich Hebbel |
Wer unter Deutschen zu leben hat, leidet sehr an der berüchtigten Grauheit ihres Lebens und ihrer Sinne, an der Frömmigkeit, dem Stumpf- und Dumpfsinne, an der Plumpheit im zarten Verkehre, noch mehr an der Scheelsucht und einer gewissen Verstecktheit und Unreinlichkeit des Charakters; es schmerzt und beleidigt ihn in eingewurzelte Lust am Falschen und Unechten, am übel Nachgemachten, an der Übersetzung des guten Ausländischen in ein schlechtes Einheimisches. |
Friedrich Nietzsche |
Wir haben die Vaterlandsliebe kennengelernt als ein Gefühl, das nur beim Schmettern der Trompeten mächtig wirkt. |
Ludwig Thoma |
Der Hang zur Selbstkritik, der oft bis zum Selbstekel, zur Selbstverfluchung ging, ist kerndeutsch, aber ewig unbegreiflich wird bleiben, wie ein so zur Selbsterkenntnis angelegtes Volk zugleich den Gedanken der Weltherrschaft fassen konnte. |
Thomas Mann |
Nie geraten die Deutschen so außer sich, wie wenn sie zu sich kommen wollen. |
Kurt Tucholsky |
Die Deutschen kommen immer zu spät. Sie sind spät wie die Musik, die immer von allen Künsten die letzte ist einen Weltzustand auszudrücken - wenn dieser Weltzustand schon im Vergehen begriffen ist. Sie sind auch abstrakt und mystisch wie diese ihnen teuerste Kunst - beides bis zum Verbrechen. Ihre Verbrechen, sage ich, gehörten nicht notwendig zu ihrem verspäteten Ausbeutungsunternehmen; sie waren ein Hinzukommendes, ein Luxus, den sie sich leisteten aus theoretischer Anlage, zu Ehren einer Ideologie, des Rassenphantasmas. Klänge es nicht wie abscheuliche Beschönigung, so möchte man sagen, sie hätten ihre Verbrechen aus weltfremdem Idealismus begangen. |
Thomas Mann |
Deutschland, unsere Heimat, hat sich in ein Volk von 2 Millionen Spitzeln und 80 Millionen Bespitzelten verwandelt. Sein Leben besteht in dem Prozeß, der ihm gemacht wird. Es besteht nur aus Schuldigen. |
Bertolt Brecht |
Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben. |
Theodor W. Adorno |
Deutschland ist kein Modell, es ist ein Grenz- und Sonderfall. |
Hans Magnus Enzensberger |
